Freitag, 26. Februar 2010
Dogz 'n' Crime
An der Bushaltestelle, die meiner Wohnung am nächsten liegt, sammelt sich regelmäßig buntes Volk. Die meisten warten, rauchen, lesen die Zeitung oder unterhalten sich. Sie wirken harmlos. Andere hingegen weniger...

Die beiden jungen Männer haben rasierte Schädel mit ein wenig Haar obenauf. Ein Bürstenschnitt. Sie wirken großspurig, massig, und beanspruchen beinahe den gesamten Raum des kleinen Wartehäuschens. Bomberjacken mit der Rückenaufschrift "Dogz 'n' Crime", Army-Hosen, eine ausgefallene Sprache und wildes Gestikulieren vervollständigen den Auftritt der beiden durchtrainierten "Schränke".

Neben dem kleineren der beiden schreitet ein überdimensional großer Pitbull-Terrier ohne den vorgeschriebenen Maulkorb. Das Tier scheint friedlich zu sein, jedoch zeigt ein Gähnen die messerscharfen Zähne. Pitbulls sind keine großen Hunde; sie sind aber dafür bekannt, dass sich ihr Gebiss kaum noch öffnen lässt, wenn sie einmal zugebissen haben. Dazu springen sie sehr hoch und zielen - wenn abgerichtet - auf die Kehle ihre Opfers. Ein solcher Hund wird von Liebhabern gehalten... und als Statussymbol.

Unwillkürlich trete ich einen Schritt zurück und bemühe mich, den direkten Augenkontakt zu Hund und Herren zu vermeiden. Die Atmosphäre an der Haltestelle hat sich verändert, die meisten Fahrgäste sind einige Meter zurückgetreten, um den eingeforderten Raum abzutreten. Ein kleines Mädchen weint bereits, hoch oben auf den Schultern ihres Vaters.

Da dreht sich der größere, massigere Typ auf einmal zu mir um und sieht mich direkt an. Zumindest versucht er das, denn es dürfte ihm schwer fallen, konkrete Objekte zu fokussieren - er schielt außergewöhnlich stark.
Das markante, glattrasierte Gesicht mit den scharfen Zügen bildet einen irritierenden Kontrast zu seiner Behinderung. Ich spüre noch, wie sich meine Anspannung löst, als endlich der Bus kommt.